Unsere Geschichte


Die Geschichte des Vereins Künstlerhaus Georgswerder e.V. beginnt im Jahre 2009.

Damals ging man noch davon aus, dass sich der Schulstandort in der Rahmwerder Straße in Hamburg-Georgswerder in den kommenden Jahren verkleinern wird. Auch die IBA (Internationale Bauausstellung 2013) in Wilhelmsburg warf ihre Schatten weit voraus. Mit der Umwandlung der ehemaligen Mülldeponie in der Fiskalischen Straße in einen Energieberg, hat Georgswerder bereits eine IBA-Attraktion. Nur etwa 1,5 Kilometer von der Schule Rahmwerder Straße ist das Tor-zur-Welt Zentrum geplant – ein modernes Bildungszentrum mit mehreren Schulen und Bildungseinrichtungen. Von den Maßnahmen ist auch die Mutterschule der Zweigstelle der Schule Rahmwerder Straße (die Elbinselschule) betroffen. Dort wird groß und neu gebaut.

Die Schule in Georgswerder wird also schrumpfen. Das legen die Schülerprognosen nahe. Die 60er-Jahre-Bauten der Schule sollen modernisiert und umgebaut werden. Der Schulaltbau aus dem Jahre 1902/1903 wird dann von der Schule nicht mehr benötigt. Die Stadt Hamburg plant, ihn abreißen zu lassen.

Dagegen gibt es jedoch Widerstand in der Bevölkerung von Georgswerder. Viele Anwohner sind dort vor Jahrzehnten selbst zur Schule gegangen. Heute gehen ihre Kinder und Enkel dort zur Schule. Und auch gegen das Trauma der großen Flut in Hamburg am 16./17. Februar 1962, als alleine in Georgswerder 45 Menschen ums Leben kamen, bietet der Schulaltbau als Flut-Schutzburg heute noch Trost. Hat doch damals Helmut Schmidt als Hamburger Polizeisenator dort auf den Treppenstufen gesessen und sich die Sorgen und Nöte der Betroffenen angehört. Ein Georgswerder ohne den markanten Schulaltbau, dass ist für die meisten Anwohner auch am Anfang des 21. Jahrhunderts nicht denkbar. Es bedarf also eines neuen Nutzungskonzeptes, will man den Abriss verhindern.

Der Arbeitskreis (AK) Georgswerder hat sich, unter Leitung seiner damaligen Sprecherin Helga Schors die Rettung des Gebäudes auf die Fahnen geschrieben. Es wurden Ideen aus der Bevölkerung gesammelt und schließlich konnte durch einen einvernehmlichen Beschluss der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte mit Zustimmung aller dort vertretenen Fraktionen und die Unterstützung von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt der Erhalt des Schulaltbaus als Kulturdenkmal durchgesetzt werden. Die wichtigsten Wünsche aus der Bevölkerung waren:

Die Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg mbH (STEG) wird von der Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) beauftragt ein „Nutzungskonzept für ein quartiersbezogenes Bildungshaus mit Grundstufe der Primarschule, Kindertageseinrichtung und Angeboten für den Stadtteil“ zu entwickeln.

Am 23. Juni 2010 gründeten Anwohner aus Georgswerder und Künstler den Verein „Künstlerhaus Georgswerder“.

Beteiligt an der Entwicklung des Nutzungskonzepts waren neben der STEG, BSB, dem neu gegründeten Künstlerhaus und dem AK Georgswerder auch:

Am 02. Juli 2010 wurde das fertige Nutzungskonzept (Abschnitt B + C, ab Seite 14) von den beteiligten Institutionen freigegeben. Es beschreibt vorwiegend die Übergangsphase August 2010 bis August 2013, denn solange wird der Schulaltbau noch von der Schule benötigt. Am 01. September 2010 wurden die ersten 3 Räume im 1. Stock an das Künstlerhaus übergeben. Mehr waren zu diesem Zeitpunkt nicht möglich. Für die Zeit nach August 2013 verpflichtet sich die BSB zu einer verbindlichen Anschlussregelung ab 2013 (siehe Nutzungskonzept Abschnitt C.2, Seite 28). Im Gegenzug sollen sich die Künstlerinnen und Künstler in Schule und Stadtteil einbringen. 2013 sollte dann auch die Sanierung des Schulaltbaus in Angriff genommen werden.

Doch schon 2012 zeichnet sich ab, dass alles anders wird.

Die Schulbehörde informiert bei einem Treffen 08. Juni 2012, dass der Schulstandort Georgswerder wächst statt schrumpft. Das bedeutet: der Schulaltbau wird auch nach 2013 weiter benötigt. Einige Räume im Erdgeschoss sollen aber frei werden. Eine Sanierung des Altbaus ist für die nächsten Jahre (bis 2017) nicht vorgesehen.

Bei den Bemühungen, weitere Räume für das Künstlerhaus anzumieten, findet sich kein Vertragspartner: die Schule? – Nicht zuständig. Die BSB? – Nicht zuständig. Das Sondervermögen? – Nicht zuständig. Schulbau Hamburg? – Nicht zuständig. Gebäudemanagement Hamburg (GMH) – Nicht zuständig. Bezirksamt Hamburg-Mitte? – Nicht zuständig. Die IBA? – Nicht zuständig. Alle irgendwie beteiligt, aber niemand wirklich verantwortlich. So geht die Zeit dahin. Die freien Räume im Erdgeschoss werden „erst einmal“ als Lagerfläche für ausrangierte Schulmöbel genutzt. 2015 wird klar: Das Künstlerhaus wird die Räume nicht bekommen, denn die Schule hat wieder Bedarf. Viele Künstlerinnen und Künstler, die teilweise seit Jahren auf eigene Ateliers gehofft haben, verlassen den Verein. Das Künstlerhaus bleibt eine Künstleretage im noch-sanierungsbedürftigeren Schulaltbau in Georgswerder.